Wiesenhechte: O`zapft is – rauf auf die Wies`n……….

Oker-Hochwasser 2017– steigendes oder sinkendes Wasser kann man anglerisch effektiv nutzen. Am Beispiel des Okerhechtes soll dies hier verdeutlicht werden. Gemeinsam mit “Fliegenfischerfan und -profi”  Maik war ich unterwegs, um den Wiesenhechten nachzustellen.

Maiks Philosophie: Bei steigendem Wasser geben die meisten Angler am Wasser auf – zu hoch steht das Wasser, zu gefährlich ist das Angeln in der Nähe der reißenden Strömung.  Und der Fisch? Na, der beißt natürlich auch nicht, das Wasser ist zu hoch, zu trübe, zu schnell. Soweit ist dieses Fazit so gut, viele Angler bleiben also zu Haus und warten auf den Rückgang des Wassers. Aus unserer Erfahrung lassen diese Angler dabei 2 wunderbare und extrem spannende Phasen des Angelns und vor allem auch der Naturbeobachtung aus.

rückläufiges und klares Wasser – jetzt beginnt die beste Phase für das Angeln auf Wiesenhechte. Maik gibt alles mit Fliegenrute und Streamer, 5 Minuten nach dem Foto hatte er einen heftigen Biss.
Wo sich sonst Käfer, Bienen und Hummeln tummeln (tolles Wortspiel), finden sich nun Fische ein. Faszinierend.

Wer einmal mit der Wathose auf den überfluteten Okerwiesen rund um Hillerse unterwegs ist und die Augen auf die Natur im und rund um das Wasser richtet, kann faszinierende Dinge beobachten. Brutfisch tummelt sich auf ehemaligen Spazierwegen, große Weißfische schwimmen in unmittelbarer Nähe des Anglers nahrungssuchend durch das Wasser – die Natur erobert neue Lebensräume, wenn auch nur temporär.

Top Angelphasen für Wiesenhechte

Zu Beginn des Hochwasser ist das Wasser trübe und steigt immer weiter an. Die Beute der Fische schafft es zu Beginn noch, sich auf die letzten Überreste oberhalb des Wassers zu retten. Später verlieren sie den Kampf – das wissen unsere heimische Fische, der Tisch ist gedeckt.

Phase 1: Erfolg 0++
Zu Beginn des Hochwassers steigendes Wasser überflutet Wiesen, treibt Nahrung (Weichtiere, Insekten) in das Wasser. Diese erste Phase, vor der eigentlichen Flutwelle aus Gebirgen o.ä. ist das Signal für große Weißfische: Fressen. Überall finden sich auf den überfluteten Wiesen Schnecken, Würmer oder Insekten. Wer will diesem gedeckten Tisch fernbleiben? Natürlich kommen mit dem Futterfisch auch die Räuber. Diese Phase ist allerdings sehr kurz, denn die eigentliche Flutwelle naht

Die Phasen 1 und 2 sind natürlich immer einen Versuch wert, aber die beste Zeit kommt erst noch. Erfolg stellte sich diesmal nicht ein.

Phase 2: Erfolg 00+
Das Hochwasser erreicht sein Maximum. Meine Erfahrung: Das Raubfischangeln einstellen und raus aus dem Wasser. Zu sehr ist das Wasser durch Sediment, Schlamm eingetrübt und zu reißend der Hauptstrom mit Unrat und mitgerissenem Treibgut. Die meisten Räuber stellen das Fressen ein und suchen den Weg aus der Strömung in einen sicheres Versteck.

Bis zur Phase 3 müssen wir uns gedulden. Das Wasser ist rückläufig und klart sehr deutlich auf. jetzt jagen die Räuber auf Sicht, überall im überfluteten Gras findet sich Beute.

Phase 3: Erfolg +++ – die eigentliche TOP-Phase!
Das Hochwasser geht zurück, das Wasser klart vor allem auf Überflutungsbereichen sehr deutlich auf. Jetzt ist die top Zeit gekommen. Überall befinden sich Schwärme von Brutfischen, Weißfische finden Nahrung im Überfluss und die Räuber können aus guten Verstecken heraus zuschlagen. Die Fische haben ihren neu gewonnenen Lebensraum angenommen.
Jetzt schlägt auch unsere Stunde, dies ist die beste Zeit, um den Wiesenhechten nachzustellen. Als Köder habe ich bebleite Offsethaken an einer klassischen Raubfischspinnrute in 2.70m gewählt und mit verschiedensten Gummifischen aus unserem Programm bestückt. In diesem Fall mit einem WG bis 75g. Der Anhieb muss sitzen, daher sollte die Rute ein starkes Rückgrat besitzen. Immer einen Versuch Wert sind die 17cm langen Raubfischstreamer. Eigentlich ein Köder für die Fliegenrute. Allerdings saugen sich die Federriesen im Wasser schnell voll und bringen ausreichend Gewicht mit, um mit der Spinnrute gefischt zu werden – wunderbar !
Diese lautlos ins Wasser fallenden Köder werden von den Hechten teilweise schon beim Aufkommen auf die Wasseroberfläche genommen. Schnell reagiert, sitzt der scharfe Einzelhaken meist bombensicher im vorderen Maulbereich.

Top: Bebleite Offsethaken und entsprechend „weedless“ montierte Gummifische.
Die bebleiten Offsethaken bringen, da die Hakenspitze meist etwas versteckt am Gummiköder sitzt, nicht immer Fisch. Die Fehlbissquote ist relativ hoch. Hier gilt es anzuschlagen, wenn man den Fisch in der Rute spürt. Ähnlich wie bei den Topwaterködern. Allerdings könnt ihr mit diesen Köder an Stellen angeln, an denen alles andere hängen bleibt und abreißt. Wunderbar lassen sich Buschbereiche, überhängende Bäume oder Totholzbereiche abangeln. Nicht selten mit einer so hohen Frequenz an Bissen, dass die möglicherweise hohe Fehlbissquote wett gemacht wird. Probiert es aus, das macht riesigen Spaß! Zu guter letzt sollten ihr aber sehr vorsichtig sein, denn ohne ausreichende Gebietskenntnis rutscht man evtl. in einen tiefen Bereich oder verliert den Halt bei schlammigem Untergrund. Geht am besten nicht allein los, dann könnt ihr euch im Notfall immer helfen. Auf keinen Fall ist es nötig in den reißenden Hauptstrom zu wandern oder zu fischen. Der flache Überflutungsbereich mit Wassertiefen bis maximal 1m ist genau das, was Brutfisch und Räuber wunderbar finden. Maik schwört bei dieser Angelei auf seine Fliegenrute, mit der er sehr erfolgreich auf hechte angelt. Das kann man nur an wenigen gewässern und wer einmal eine Hecht an der Fliegenrute bändigen musste, wird das gern nocheinmal erleben wollen.

Dieser Wiesenräuber hat den Raubfischstreamer perfekt genommen.
Nahrung überall…….Wassertiefe: 20cm.

 

ASV Presse

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